Streitigkeiten gehören zum Baualltag. Zahlungsprobleme, Meinungsverschiedenheiten über die Ausführung und Verzögerungen können rasch eskalieren, den Fortschritt bremsen und alle Beteiligten unter Druck setzen. Gerichtsverfahren sind in solchen Situationen oft zu langsam und zu teuer, wenn Termine und Liquidität auf dem Spiel stehen. Hier greift die Adjudication. Dabei handelt es sich um ein vertraglich vereinbartes Verfahren, bei dem eine neutrale Fachperson innerhalb weniger Wochen eine verbindliche Entscheidung trifft.
In Deutschland ist die Adjudication freiwillig und wird vertraglich vereinbart – häufig unter dem Dach des DIS (Deutsches Institut für Schiedsgerichtsbarkeit) oder über Dispute Adjudication Boards bei größeren Projekten. Für Fachkräfte mit technischem Know-how und Branchenerfahrung kann sie ein natürlicher Weg sein, dieses Wissen in einer neuen, einflussreichen Rolle einzusetzen.
Der Weg zur Adjudication
Legt ein solides Fundament. Ein Hintergrund in Bauwesen, Ingenieurwesen oder Recht bildet die Basis. Handwerksmeister, Bauleiter*innen und Vertragsprofis bringen das nötige Wissen darüber mit, wie Projekte ablaufen und wo Konflikte entstehen.
Sammelt Praxiserfahrung. Das Fundament wird durch direkte Arbeit an Verträgen, Claims und Verhandlungen gefestigt. Diese Einblicke schaffen Glaubwürdigkeit und sorgen dafür, dass zukünftige Entscheidungen die Realität auf der Baustelle widerspiegeln.
Belegt eine Spezialausbildung. Auf die Berufspraxis folgt eine strukturierte Weiterbildung. In Deutschland überschneiden sich Schulungen zur Adjudication häufig mit Lehrgängen in Mediation und Schiedsgerichtsbarkeit, die von Hochschulen, Industrie- und Handelskammern oder dem DIS angeboten werden. Diese Kurse vermitteln rechtliche Grundlagen, prozessuale Werkzeuge sowie das Handwerk des Entscheidens und Formulierens.
Zeigt eure Kompetenz. Auf die Ausbildung folgt die Prüfung. Kandidat*innen müssen belegen, dass sie unparteiisch bleiben, Streitigkeiten zügig bearbeiten und durchsetzbare Entscheidungen verfassen können. Kenntnisse des deutschen Rechts – insbesondere des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) und der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B) – sind unerlässlich. Für internationale Projekte ist auch Vertrautheit mit den FIDIC-Standards (Fédération Internationale des Ingénieurs-Conseils) sinnvoll.
Versteht Regeln und Ethik. Fachliches Können allein reicht nicht. Adjudicatoren sind an Verhaltenskodizes gebunden, die Neutralität, Vertraulichkeit und Fairness verlangen.
Zur vertrauenswürdigen Entscheider*in werden
Beantragt die Anerkennung. Mit Ausbildung, Erfahrung und nachgewiesener Kompetenz könnt ihr euch um Ernennungen bewerben. Wer in Verträgen benannt oder in Listen wie denen des DIS geführt wird, kann in tatsächlichen Streitfällen tätig werden.
Bleibt in ständiger Weiterentwicklung. Die Adjudication in Deutschland entwickelt sich weiter. Wer Vertrauen und Autorität bewahren will, muss bei Gesetzen, Vertragsmustern und internationalen Standards auf dem neuesten Stand bleiben.
Für Fachleute, die von der technischen Arbeit in die Konfliktlösung wechseln wollen, bietet die Adjudication eine Karriere mit Einfluss und Verantwortung. Sie hält Projekte am Laufen, schützt Existenzen und sorgt dafür, dass Streitigkeiten fair beigelegt werden.
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